Sportmedizinische Untersuchung

Sportmedizinische Untersuchungen sind nicht nur für Leistungssportler relevant. Wer mit sportlichem Training beginnen oder nach einigen Jahren Sportabstinenz wieder einsteigen möchte, sollte seine körperliche Verfassung und die daraus resultierende Leistungsfähigkeit kennen und einschätzen können. Nicht jede Sportart entspricht den individuellen physischen Voraussetzungen, daher ist die Erfassung des Ist-Zustandes durch einen Sportmediziner der erste Schritt für den Start in den Trainingsalltag.

Was ist eine sportmedizinische Untersuchung? Was wird untersucht?

Die sportmedizinische Untersuchung beurteilt die gesundheitliche Verfassung des menschlichen Körpers mit den Schwerpunkten Herz-Kreislauf-System und Bewegungsapparat. Dabei geschieht Folgendes durch den Arzt:

Sportmedizinische Untersuchung

Der Einstieg in ein Trainingsprogramm als auch die Wiederaufnahme sportlicher Aktivitäten steigern nicht nur das körperliche Wohlbefinden. Sport ist Bewegung, die der menschliche Körper zum Erhalt seiner natürlichen Leistungsfähigkeit braucht.

Eine sportmedizinische Untersuchung beschreibt in diesem Zusammenhang den körperlichen Ist-Zustand der betreffenden Person und kann damit angeben, welche gesundheitlichen Risiken unter Belastung sichtbar werden könnten. Mit diesem Wissen können die Intensität sportlicher Aktivitäten festgelegt und für den Gesundheitszustand ungeeignete Sportarten ausgeschlossen werden. Konkret wird beim Sport Check auf folgende Zustände untersucht:

  • Feststellung der sportlichen Leistungsfähigkeit einer Person
  • Untersuchung der Belastbarkeit
  • Ausschluß von latentem (verborgenem, aber noch nicht ausgebrochenem) Krankheitspotential
  • Ausschluß von Kontraindikationen (Gegenanzeigen) hinsichtlich sportlicher Belastung

Für wen ist eine sportmedizinische Untersuchung sinnvoll?

Eine sportmedizinische Untersuchung empfiehlt sich grundsätzlich für jeden Menschen, der sich einem sportlichen Training unterziehen möchte, da diese konkrete Untersuchungsweise Aufschlüsse über die allgemeine sportliche Belastungsfähigkeit gibt. Im Besonderen sollten sich Kinder ab dem zehnten Lebensjahr auf ihre Sporttauglichkeit untersuchen lassen, wenn sie regelmäßig in einer Sportart trainieren möchten.

Erwachsenen wird die Untersuchung empfohlen, wenn sie das 35. Lebensjahr überschritten haben. Da sich der Körper im Laufe der Jahre durch unterschiedliche Einflüsse verändert, können unbemerkt erste Krankheitszeichen entstehen, die die Belastungsfähigkeit mindern. Die Ergebnisse der medizinischen Untersuchung geben dann Auskunft, welche Sportarten eventuell vermieden werden sollten und in welcher Intensität ein gesundes Trainieren erfolgen kann.

Personen, die mit dem Training erst beginnen oder längerfristig keinen sportlichen Aktivitäten nachgegangen sind, sollten sich in jedem Fall einer sportmedizinischen Untersuchung unterziehen, um Vorerkrankungen und dadurch verbundene Risiken auszuschließen. Auch Personen mit chronischen Schmerzen sollten sich vor einem regelmäßigen Training untersuchen lassen. Mit einem überprüften Gesundheitszustand können gezielte Empfehlungen für eine passende Sportart ausgesprochen werden, die der Belastungsfähigkeit des Körpers entspricht.

Welche Risiken bestehen, wenn ich ohne sportmedizinische Untersuchung trainiere?

Wer sich sportlich betätigt, belastet das Herz- Kreislaufsystem, das Muskelsystem sowie den Knochenapparat. Die Unkenntnis über die eigenen Leistungsgrenzen kann ernste Verletzungen oder Ausbrüche von Krankheiten hervorrufen. Schon die mangelnde oder unsachgemäße Aufwärmung des Körpers, die optimalerweise die organische und neuro-muskuläre Leistungsbereitschaft aufrufen soll, kann für Verletzungen und Überbelastungen sorgen.
Mögliche Komplikationen können sein:

Sportmedizinische Untersuchung – Ablauf

Die Untersuchungen werden nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention DGSP durchgeführt. Dabei erfolgen ein Gespräch bezüglich des Gesundheitszustandes sowie der Krankengeschichte, der Basischeck, ein Leistungscheck sowie zusätzliche Untersuchungen wie ein Blut– und Urintest.

Anamnese

Am Anfang der sportmedizinischen Untersuchung steht die Anamnese, die sich auf familiäre und persönliche Angaben bezieht. Dabei rücken frühere sowie erblich bedingte Erkrankungen, Behinderungen, Verletzungen und chronische Beschwerden in den Mittelpunkt. Impfungen werden kontrolliert und die Lebensgewohnheiten bezüglich Ernährung, Rauchen, Medikamenteneinnahme und Alkoholkonsum erfragt.

Dafür stehen meist Fragebögen zur Verfügung, die nach dem Ausfüllen mit dem Arzt besprochen werden. Dabei wird auch geklärt, ob es um eine allgemeine Untersuchung geht oder ob sich der Gesundheitscheck auf eine konkret gewünschte Sportart ausrichten soll.

Basischeck

Der anschließende Basischeck untergliedert sich in die Ganzkörperuntersuchung, die orthopädische Untersuchung, den Leistungscheck, zusätzliche Untersuchungen sowie das Abschlussgespräch.

Ganzkörperuntersuchung

Messung von Größe, Gewicht und Körperfettanteil (Calipermethode)

Das Ermitteln der Körpergröße, des Bauchumfangs, des BMI und das Wiegen bilden den Anfang der Ganzkörperuntersuchung.

Mit dem Verfahren der Calipometrie wird anschließend der Körperfettgehalt ermittelt. Mit Hilfe einer Fettmesszange (Caliper) wird an unterschiedlichen Messpunkten die jeweilige Hautfaltendicke des Menschen bestimmt. Dabei werden die Haut und die darunterliegende (subkutane) Fettschicht zwischen zwei Finger genommen, von der darunterliegenden Muskulatur emporgehoben und die Dicke der Hautfalte mit dem Caliper gemessen.

Dieser Wert wird anschließend mit Hilfe einer Formel umgerechnet und ergibt den prozentualen Anteil des Körperfettes.

Blutdruckmessung

Der Blutdruck bezeichnet den Druck, mit dem das Blut im Körper durch die Blutgefäße gepumpt wird. Mit Hilfe einer Blutdrucktabelle lassen sich die gemessenen Werte in Stufen unterteilen:

  • Optimale Werte: liegen unter 120/80 mmHg
  • Normalwerte: liegen unter 130/85 mmHg
  • Hohe Normalwerte: liegen unter 140/90 mmHg
  • Bluthochdruck (Schweregrad 1): liegen unter 160/100 mmHg
  • Bluthochdruck (Schweregrad 2): liegen unter 180/110 mmHg
  • Bluthochdruck (Schweregrad 3): liegen über 180/110 mmHg
  • Isolierter systolischer Bluthochdruck: liegen über 140/ unter 90 mmHg

Der Blutdruck wird im Ruhezustand als auch bei Belastung gemessen.

Weitere Untersuchungen

Nach der Blutdruckmessung erfolgt eine Ganzkörperuntersuchung, bei der unter anderem Herz und Lunge abgehört, die Bauchorgane abgetastet sowie der Muskelstatus bestimmt werden.

Orthopädische Untersuchung

Die anschließende orthopädische Untersuchung befasst sich mit den Grundeigenschaften der körperlichen Kondition und untersucht dabei:

  1. die motorische Schnelligkeit
  2. die motorische Ausdauer
  3. die motorische Kraft
  4. das motorisches Gleichgewicht
  5. die Gelenkigkeit
Wirbelsäule, Schulter-, Hüft-, Knie- und Fußgelenke

Der Bewegungsapparat wird vom Arzt von den Füßen ausgehend bis zum obersten Halswirbel und der Hinterhauptschuppe beurteilt. Dabei liegt der Schwerpunkt der Beobachtung auf der Wirbelsäule und den Gelenken und in der Überprüfung eventueller Fehlstellungen oder akuter Schmerzen wie Kniebeschwerden.

Muskelstatus: Arme, Beine und Rumpf

Die einzelnen Gelenke sind durch Muskeln miteinander verbunden. Daher wird auch der Muskelstatus hinsichtlich Ausprägung, Dehnungszustand und auf den Spannungszustand der Muskeln untersucht, um eine Muskelverletzung auszuschließen.

Ruhe-EKG

Um die Leistungsfähigkeit des Herzens zu testen, wird ein sogenanntes schmerzfreies EKG angeordnet. Dabei werden die elektrischen Impulse der Muskelfasern aufgezeichnet und daraus eine Herzstromkurve ermittelt. Das EKG wird meist angeordnet, wenn durch die körperliche Untersuchung und die Anamnese eine mögliche Herzerkrankung in Betracht gezogen werden muss. Die Werte geben Auskunft über:

  • die Lage des Herzens
  • die Vorhoftätigkeit
  • Extrasystolen: zusätzliche Herzschläge zum normalen Herzrhythmus
  • Myokardhypertrophie: eine mögliche Verdickung des Herzmuskels
  • Herzrhythmus und Herzfrequenz
  • akute oder vergangene Herzinfarkte

Beim Ruhe-EKG werden diese Aufzeichnungen einmalig vorgenommen, wenn sich der Körper in einem Normalzustand (ohne physische Belastung) befindet.

Belastungs-EKG

Beim Belastungs-EKG lassen sich mögliche Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienzen aufdecken, durch die im unerkannten Fall bei einer sportlichen Überbelastung beispielsweise ein plötzlicher Herztod eintreten könnte.

Hierzu erfolgen die Messungen, während der Patient den Körper physisch belastet. Mit Hilfe ergometrischer Vorgaben können mögliche Abweichungen der Leistungsfähigkeit von den Normwerten festgestellt werden, die bei einem angestrebten Ausdauertraining hinderlich wären.

Lungen-Funktionstest

Durch den Lungen-Funktionstest soll ermittelt werden, ob die Lunge und auch die Atemwege funktionstüchtig sind. Dabei geht es vordergründig um die Durchgängigkeit des bronchialen Systems, an dem Lungenkrankheiten am häufigsten auftreten. Für den Lungentest stehen vier Verfahren zur Auswahl:

  • Spirometrie (kleiner Lungenfunktionstest)
  • Ganzkörperplethysmographie (Großer Lungenfunktionstest)
  • Messung des Atemwegswiderstandes
  • Messung der Atemmechanik

Bei der Spirometrie, der häufigsten Testform, wird der Luftstrom beim Atmen gemessen. Dazu atmet der Patient über ein Mundstück ein und aus, während gleichzeitig die Atmung durch die Nase mit einer Nasenklemme unterbunden wird.

Beratung zu Sportart und Training

Die Ergebnisse dieser physischen Untersuchungen geben erste Aufschlüsse über die Leistungsfähigkeit des Körpers. Durch das Erkennen möglicher Erkrankungen von Herz oder Lunge kann eine passende Sportart empfohlen werden, die den Körper nicht überlastet, aber dennoch Bewegungsmöglichkeiten garantiert.

Die Intensität und Häufigkeit des Trainings hängt ebenfalls von den festgestellten Parametern ab. Hier wird der Arzt entsprechende Empfehlungen aussprechen, die auf den derzeitigen Gesundheitszustand zugeschnitten sind und sich im Laufe der Zeit verändern lassen.

Leistungscheck

Gefäßcheck

Mit Ultraschalltechnik lässt sich die Dicke der inneren Gefäßschicht der Arterien bestimmen, die auch als Intima bezeichnet wird. Verdickte Gefäßschichten deuten auf eine mögliche Arteriosklerose hin, die weitere Gefäßabschnitte befallen und Schlaganfälle oder einen Herzinfarkt auslösen kann.

Sportliche Höchstleistungen sind mit solch einer Diagnose sogar gefährlich, denn eventuelle Gefäßverengungen lassen das Blut langsamer zirkulieren. Bei intensiver körperlicher Belastung durch Sport kann es zu lebensbedrohlichen Situationen kommen.

Rückencheck

Der Rückencheck dient der umfassenden Funktionsanalyse der Wirbelsäule. Dabei wird in folgende Untersuchungsformen unterschieden:

4D-Wirbelsäulenvermessung

Durch die Vermessung der Wirbelsäule lassen sich Beckenschiefstände und daraus resultierende Fehlhaltungen, Beinlängenunterschiede und Verdrehungen der Wirbelsäule feststellen. Die Vermessung erfolgt im Stehen und macht die Belastung der jeweiligen Körperseite deutlich.

Kraftmessung

Mit einer wissenschaftlichen Kraftmessung wird die Leistungsfähigkeit der Bauch- und Rückenmuskeln bestimmt. Diese Ergebnisse werden mit vorgegebenen Normwerten verglichen und ausgewertet. Auf diese Weise werden Dysbalancen oder Muskelschwächen erkannt und können durch eine individuelle Trainingsmaßnahme positiv beeinflusst werden.

Entspannungstest

Beim Entspannungstest wird der Mensch einer Stressbelastung ausgesetzt und anschließend die Fähigkeit zur Entspannung getestet. Dabei bedeutet „Entspannung“, dass die Muskelzellen wieder in ihren Ruhezustand gehen. Dauerhafter Bewegungsmangel oder Stress sorgen für eine verminderte Entspannungsfähigkeit der Muskeln.

Koordinationstest

Die Gleichgewichtsfähigkeit wird mit einem Koordinationstest geprüft. Die Funktionstüchtigkeit dieses Sinnes ist eng mit Nerven, Muskeln und Gelenken sowie ihrem Zusammenspiel verbunden. Ein verringerter Gleichgewichtssinn kann Ursache von Rückenschmerzen, Verspannungen oder Körperfehlhaltungen sein und muss behandelt werden.

Messung Grundumsatz

Der Grundumsatz beschreibt die Menge an Kilokalorien, die ein Mensch verbrennt, wer er sich im körperlichen Ruhezustand befindet. Dieser Tagesenergieumsatz ist von der Muskelmasse sowie Körpergewicht, Alter, Geschlecht und genetischen Faktoren abhängig.

Die Ergebnisse der Messung lassen Rückschlüsse auf den Fettstoffwechsel, die Stoffwechselrate sowie den täglichen Mindestbedarf an Kalorien zu. Die Grundumsatzmessung erfolgt durch eine spirometrische Untersuchung, bei der die maximale Sauerstoffaufnahme mit der Abgabe des Kohlendioxids verglichen und ins Verhältnis gesetzt wird.

Laktatbestimmung

Die Laktatkonzentration im Blut gibt Aufschluss über die Intensität der Belastung. Laktat entsteht als Nebenprodukt bei der Energiegewinnung. Je höher der Laktatgehalt im Blut, desto weniger wird die Muskulatur mit Sauerstoff versorgt. Dadurch kann der Energiebedarf nicht mehr gedeckt werden. Der sogenannte anerobe Bereich, bei dem die Sauerstoffversorgung kritisch wird, beginnt bei einer Konzentration ab vier mmol/l.

Unterhalb dieses Wertes befindet sich der Sportler im aeroben Bereich. Bei der Laktatbestimmung wird auch das Messen der Herzfrequenz mit einbezogen, sodass genau festgestellt werden kann, ab welcher Herzfrequenz der anaerobe Bereich beginnt. Diese Schwelle ist wichtig, um ein Ausdauertraining planen zu können, das immer im aeroben Bereich absolviert werden sollte.

Die Messung erfolgt durch eine Blutentnahme am Ohr, die mehrmals während des Belastungstestes stattfindet.

Sauerstoffaufnahmetest

Die Ermittlung der Aufnahmemenge von Sauerstoff ist für Leistungssportler sinnvoll, da sich dadurch die günstigste Trainingsbelastung ermitteln lässt. Mithilfe einer speziellen Atemmaske stellt der Test fest, wie viel Sauerstoff der Körper bei maximaler Belastung verwerten kann. Die Sauerstoffaufnahme ist die entscheidende leistungsbegrenzende Größe, von der Qualität und Quantität der Ausdauer­belastungen abhängen.

Ganganalyse

Mit der Ganganalyse lassen sich folgende Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates sichtbar machen:

  • Fehlbelastungen der Füße
  • Verkürzung von Gliedmaßen oder Muskeln
  • lauftechnische Besonderheiten aufgrund künstlicher Hüftgelenke oder Prothesen
  • Bänderrisse oder Oberschenkelhalsbrüche
  • Wölbung von Gelenken (Protrusionen)

Bei der Lauf- und Ganganalyse erfolgt eine video- und computerüberwachte Bewegungsphase auf einem Laufband. Der individuelle Laufstil wird mit und ohne Schuhe erfasst und ausgewertet. Dabei bringt die Laufanalyse bei vielen Testpersonen eine übermäßige Einwärts- oder Auswärtsdrehung des Fußes (Pronation und Supination) zum Vorschein.

Diese Fußstellung bewirkt die Überbelastung von Bändern, Sehnen und Gelenken, die ihrerseits Schmerzzustände hervorrufen. Ein falscher Körperschwerpunkt oder Fehlstellungen im Hüftbereich zählen ebenfalls zu den häufigsten Ursachen von Laufbeschwerden. Schmerzen im Knie oder im gesamten Bewegungsapparat können in vielen Fällen auf neurologische Probleme hinweisen.

Dabei gehören Innenohrschädigungen, ein Tumor, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson oder Schlaganfälle zu den Erkrankungen, die im Besonderen auf die Bewegungsfähigkeit des Menschen einwirken.

Gelenkuntersuchung

Diese Untersuchung erfolgt durch Betrachtung, Berührung sowie Bewegung der folgender Gelenke und Körperbereiche:

  • Kniegelenk
  • Hüftgelenk
  • Schulter
  • Wirbelsäule
  • Hände

Der Arzt verwendet für diesen Teil der Untersuchung ein Bandmaß, einen Reflexhammer und einen Winkelmesser. Im ersten Schritt erfolgt die optische Beurteilung des Gangbildes, der Körperhaltung und der Hautverhältnisse. Bei der anschließenden manuellen Untersuchung werden Knochenpunkte, Sehnen und die Muskulatur abgetastet.

Außerdem erfolgt die Messung der Gelenkbeweglichkeit mit der Neutral-Null-Methode, bei der die entspannte Ruhestellung als Nullposition definiert wird. Für jedes Gelenk und jede Bewegungsebene werden zwei weitere Werte ermittelt, die bestimmte Bewegungspositionen beschreiben und das Bewegungsmaß in Winkelgraden angeben.

Muskelfunktionstest

Der Muskelfunktionstest nach Janda beurteilt die Muskelkraft in Bezug auf die Schwerkraft. Das Kraftniveau der Muskulatur wird durch einen manuellen Widerstand, der vom Arzt gegeben wird, bestimmt.

Die Bewertung der Muskelkraft erfolgt in Kategorien zwischen 0 und 5. Dabei beschreibt Stufe 5 Muskeln mit vollkommener Bewegungsfreiheit, die einen beträchtlichen äußeren Widerstand überwinden können. Bei den weiteren Stufen ist die Muskelkraft nur noch anteilig einsetzbar:

  • Stufe 4: 75%
  • Stufe 3: 50%
  • Stufe 2: 25%
  • Stufe 1: 10%
  • Stufe 0: es ist keine Muskelkontraktion erkennbar

Getestet werden folgende Muskeln:

  • Hüftbeuger
  • Oberschenkelbeugemuskulatur
  • Großer Brustmuskel
  • Gerader Oberschenkelstrecker
  • Großer Gesäßmuskel
  • Rückenstrecker der Brustwirbelsäule
  • Gerader Bauchmuskel
  • Schulterblattfixatoren

Da dieser Test stark dem subjektiven Empfinden unterliegt, sollte das Ergebnis als Orientierung verstanden und nicht von Muskelschwund ausgegangen werden, wenn die Muskelkraft nicht der fünften Stufe zugeordnet wird.

Spiroergometrie

Die Spiroergometrie untersucht die Atemgase bei einer kontrollierten körperlichen Belastung. Sie erfasst das Atemvolumeninnerhalb einer definierten Zeiteinheit und gibt Aufschluss über den Anteil an Sauerstoff sowie Kohlendioxid bezogen auf den Grundumsatz.

Die auf dem Ergometer oder Laufband stattfindenden Messungen erfolgen mit einer luftdichten Atemmaske, die mit einem Messgerät verbunden ist. Durch ein spezielles Verfahren (breath-by-breath-Analyse) lässt sich die Gaskonzentration auch für jeden einzelnen Atemzug bestimmen,

Zusätzliche Untersuchungen

Laboruntersuchungen

Bluttest

Ein Bluttest gibt im Rahmen der sportmedizinischen Untersuchung Auskunft über den Zustand wichtiger Blutbestandteile. Beim sogenannten kleinen Blutbild geht es dabei um

  • Leukozyten,
  • Erythrozyten,
  • Thrombozyten,
  • den Hämatokrit sowie den
  • Hämoglobingehalt.

Tritt ein Ungleichgewicht der genannten Stoffe im Blut auf, kommt es zu Beeinträchtigungen der Leistungsfähigkeit. Ist beispielsweise der Cholesterin-Wert erhöht, steigt die Gefahr eines Schlaganfalls. Die Auswertung des Bluttests gibt Aufschluss über bestehende oder latent vorhandene Krankheiten und ist für die Wahl der passenden Sportart sowie des Trainingsumfanges wichtig.

Urinstatus

Durch einen Urintest lässt sich feststellen, ob Eiweiß, Zucker oder Blut im Urin vorliegen, wie hoch der ph-Wert ist und ob weitere Inhaltsstoffe auf mögliche Infektionen hindeuten. Die Harnuntersuchung gibt Auskunft über eventuell bestehende Krankheiten wie

  • Lebererkrankungen
  • Bluterkrankungen
  • Zuckerkrankheit
  • Harnwegsinfektionen
  • Nierenerkrankungen
  • Hyperurikämie (Erhöhter Harnsäurespiegel im Blut, der zu Gicht führen kann)

Die Auswertung erfolgt mit Hilfe eines Teststäbchens, das in die abgegebene Urinprobe eingetaucht wird.

Herzultraschall

Der Herzultraschall gibt Auskunft über die Größe und Struktur des Herzens, seine Pumpfunktion sowie die Arbeitsweise der Herzklappen. Liegen familiär bedingte Herz-Kreislauferkrankungen vor, empfiehlt sich diese Untersuchung in jedem Fall.

Besprechung der Werte

Den Abschluss der sportmedizinischen Untersuchung bildet das Gespräch, bei dem der Arzt die erfassten Daten auswertet und Empfehlungen für geeignete Sportarten ausspricht. Bei pathologischen Befunden werden weiterführende Untersuchungen empfohlen. Unter Umständen werden Sportarten, die das Körpersystem in seinem aktuellen Gesundheitszustand zu sehr belasten würden, ausgeschlossen.

Sportmedizinische Untersuchung – Kosten

Welche Kosten kommen bei einer sportmedizinischen Untersuchung auf mich zu?

Der sportmedizinische Gesundheitscheck wird vom Arzt anhand der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) berechnet. Die stark differierenden Kosten entstehen durch unterschiedliche Untersuchungen, von denen jede einzeln in Rechnung gestellt wird. Wer sich auf Herz und Nieren überprüfen lässt, muss daher mit höheren Kosten rechnen, als dies bei einer „normalen“ Sportuntersuchung der Fall ist.

Übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten einer sportmedizinischen Untersuchung?

Die Kostenübernahme wird durch die Krankenkassen unterschiedlich geregelt. Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten der Gesundheitsuntersuchung in voller Höhe, andere fordern vom Patienten einen Zuschuss. Dabei müssen für eine Kostenübernahme unter Umständen Bedingungen hinsichtlich des Alters, der Häufigkeit von Untersuchungen, der Teilnahme an Programmen oder des zugelassenen Arztes erfüllt werden.

FAQs zur sportmedizinischen Untersuchung

Welche Sportart kommt für mich bei Bluthochdruck infrage?

Sport hilft auch bei Bluthochdruck, es kommt aber auf die Dosis und die gewählte Sportart an. Grundsätzlich sollten starke körperliche Belastungen vermieden werden, daher eignen sich leichte Ausdauerbelastungen wie Wandern, Radfahren, Schwimmen oder gemäßigtes Joggen. Bei Übergewicht bietet sich das gelenkschonende Aquajogging an.

Darf ich Sport nach einem Herzinfarkt betreiben?

Der Wiedereinstieg in den Sport sollte auch nach einem Herzinfarkt geschehen und lässt sich am leichtesten über eine ambulante Herzgruppe realisieren, in der die eigene Belastungsfähigkeit herausgefunden werden kann. Empfohlen werden leichte Ausdauerbelastungen wie Gehen, Laufen, Radfahren, Schwimmen sowie das Training an einem Ruderergometer. Leichte Gymnastik und Yoga verbessern die Beweglichkeit und stärken die koordinativen Fähigkeiten.

Hilft Sport bei einem Hexenschuss? Wenn ja, welche Sportart?

Sobald Schmerzfreiheit eingetreten ist, kann eine sportliche Betätigung wieder aufgenommen werden. Leichter Ausdauersport ist in jedem Fall empfehlenswert, abhängig vom Trainingsstand vor dem Hexenschuss. Der Körper wird selbst das Zeichen geben, wie weit er belastet werden will, darüber hinaus sollte nicht trainiert werden.

Welche Gefahren bestehen durch die Einnahme von Kreatin?

Kreatin ist eine körpereigene Säure, die das vermehrte Aufbringen von Kraft in weniger Zeit und damit eine schnelle Leistungssteigerung möglich macht. Als Nahrungsergänzungsmittel wird es im Gegensatz zu ATP direkt im Muskel gespeichert und liefert so im Bedarfsfall auf direktem Weg Energie. Obwohl sich Kreatin in vieler Hinsicht positiv auf den menschlichen Körper auswirkt, seien hier einige mögliche Nebenwirkungen genannt:

  • Muskelkrämpfe
  • Muskelverhärtungen
  • Blähungen
  • Mundgeruch
  • Durchfall
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • www.onmeda.de
  • Bates‘ großes Untersuchungsbuch von Lynn S. Bickley, 3. Auflage 2000